elke graalfs

Sounding Soil
Acryl/Leinwand
160x 180cm
2025

Sounding Soil
Acryl/Leinwand
160x 180cm
2025

Rasenstück 1 
Acryl/Papier
Motiv: 190 x 170cm
2025

Rasenstück 1
Acryl/Papier
Motiv: 190 x 170cm
2025

Sounding Soil translated
Acryl/Papier
Motiv: 190 x 170cm
Papier: 240 x 195cm
2025

Sounding Soil translated
Acryl/Papier
Motiv: 190 x 170cm
Papier: 240 x 195cm
2025

Sounding Soil 2
Acryl/Papier 
Motiv: 180 x 150cm
Papier: 260 x 195cm
2025

Sounding Soil 2
Acryl/Papier
Motiv: 180 x 150cm
Papier: 260 x 195cm
2025

Sounding Soil 2
Acryl/Papier 
Motiv: 180 x 150cm
Papier: 260 x 195cm
2025

Sounding Soil 2
Acryl/Papier
Motiv: 180 x 150cm
Papier: 260 x 195cm
2025


Helgoland, Heisenberg und das große Hin und Her der Gräser -
Eine Betrachtung zu Elke Graalfs Rasenstücken
Elke Graalfs lässt Gras wachsen. Aufbauend auf ihren raumgreifenden, gemalten
Strickbildern in denen einzelne Pinselstriche zu endlosen Wollfäden und Strickmustern
verwoben werden, widmet sich die Künstlerin in ihrer neuen Arbeit etwas sehr
Naheliegendem - dem Boden unter ihren Füßen. Genauer gesagt dem Gras das
unter ihren Füßen wächst. Als Vorlage ihrer in Acryl auf Papier gemalten Rasenstücke
dienen Fotos, die Elke Graalfs in andächtiger Bewunderung für das von Wind
und Meer in Wellen gelegte, unendliche Gras auf Helgoland gemacht hatte. Den
natürlichen Scahwung der dahingewehten Grasnarbe greift die Künstlerin in ihrer
Malerei auf und erkundet den Papierbogen mit energischen, allen Himmelsrichtungen
folgenden Pinselstrichen. Durch die Reduktion auf die pure Linie auf weißem
Papier und der erfreulicherweise damit einhergehenden Vernachlässigung jeder
Form von Illusionismus entstehen Bilder, die sich in einem seltsamen Schwebezustand
zwischen abstrakter Malerei, Zeichnung und wissenschaftlicher Naturstudie
wiederfinden. Der Betrachter ist eingeladen der Künstlerin bei der Kartografie der
natürlichen Unordnung zu folgen und ihr System hinter dem wilden Wachstum der
grasfarbenen Pinselstriche zu entdecken. Sowohl bei den Strickbildern als auch bei
den aktuellen Rasenstücken basiert die Eleganz der künstlerischen Arbeit jedoch
nicht auf einem ausgedachtem System das Ordnung in das vorgefundene Chaos
bringt, sondern aus einer künstlerischen Haltung heraus. Diese Haltung lässt sich
im Fall von Elke Graalfs als eine beste Form von Routine beschreiben, als ein sich
selbst Aussetzen an den malerischen Prozess und die vermalte Zeit, an einen Zustand
zwischen immer wieder und immer wieder anders. Diese Art von Routine erfordert
mehr als Organisation und Disziplin- sie erfordert Hingabe. Es ist ein ständiger
Perspektivwechsel, ein aus sich Herausgehen bei der die Künstlerin sich fortwährend
in den Tag einschreibt. Erinnernd an Arbeiten von Hanne Darboven oder
Roman Opalka verschwindet auch bei Elke Graalfs das Betrachtete bei näherer
Untersuchung, wird unscharf oder löst sich in ein anderes Gegenüber auf. Das
Gras weht mal nach links oder nach rechts - unter besonderer Beobachtung sollte
der Bilduntergrund stehen, die unbemalte weiße Leinwand, die als Zeichen weiterer
Ideen durch das Geflecht aus Gräsern hindurchblitzt und diese erst erscheinen
lässt. Es ist auf seltsame Weise naheliegend, dass Werner Heisenberg bei seinem
Aufenthalt auf Helgoland die Unschärferelation als Bestandteil seiner Quantenmechanik
eingefallen sein soll. Je genauer man hinschaut desto weiter entfernt sich
alles. Besser man schaut genau dazwischen und nimmt sich mit wohin man sieht.
So wie Elke Graalfs in ihren Rasenstücken. Heisenberg lässt grüßen.
Henrik Jakobs